Was ist Stigmatisierung?

Macht und Diskriminierung

Nicht alle Menschen haben die gleiche Möglichkeit/ Macht, Stigmatisierungsprozesse zu beeinflussen: den größten Einfluss können diejenigen gesellschaftlichen Gruppen ausüben, die sich in den günstigsten sozialen, politischen und ökonomischen Positionen befinden. Menschen in Haft z.B., als gesellschaftlich benachteiligte Gruppe, können zwar Vorurteile gegenüber dem Gefängnispersonal haben – es handelt sich dabei nicht um Stigmatisierung, da die Inhaftierten nicht in der (Macht-)Position sind, tatsächliche Benachteiligungen für das Gefängnispersonal daraus folgen zu lassen. Für eine solche klare Benachteiligung wird der Begriff der Diskriminierung gewählt. Diskriminierung kann als „Umsetzung“ von Stigmatisierung verstanden werden und steht am Ende eines Stigmatisierungsprozesses. Folglich sind die beiden Konzepte nur schwer zu trennen. Auch lassen sich Erfahrungen aus der Praxis meist nur unter Verwendung beider Begriffe umfassend beschreiben. Aus diesem Grund ist man in vielen Bereichen, wie z.B. HIV, dazu übergegangen, die beiden Konzepte inhaltlich stärker zu verknüpfen und gemeinsam zu verwenden.