Was sind die Ursachen?

Orientierungshilfe und Aufrechterhaltung von Macht

Gesellschaftliche Normen sollen nicht nur Schutz bieten, sondern haben auch die Funktion Orientierung zu geben. Sie regeln das gesellschaftliche Zusammenleben, indem sie Kriterien vorgeben, an denen Menschen ihr Verhalten ausrichten können. Menschen, die insgesamt oder in spezifischen Lebensbereichen nach Orientierung suchen, betrachten diese Regeln als hilfreich und versuchen, diese aufrecht zu halten. Andere Menschen, die keine externe Orientierungshilfe suchen und/ oder in ihrem Verhalten nicht diesen vorgegebenen Kriterien entsprechen, stellen damit diese Orientierungshilfe in Frage. Um das abzuwenden, reagiert die Mehrheitsgesellschaft oftmals mit Ausgrenzung und Abwertung.

Weitergeführt wird der Gedanke der Orientierungshilfe in dem Modell zum Glauben an eine gerechte Welt: Menschen halten demnach an ihrer Überzeugung fest, dass Dinge, die geschehen, gerecht sind. Vermeintlich „gutes“ Verhalten wird sich irgendwann positiv auszahlen – vermeintlich „schlechtes“ Verhalten entsprechend negativ. Der daraus folgende Umkehrschluss lautet: wenn Menschen etwas Schlechtes widerfährt, müssen diese Personen insgesamt „einen schlechten Charakter“ bzw. schlechtes Verhalten gezeigt haben. Folglich wird die Person verurteilt.

Gesellschaftliche Normen werden meist von der Mehrheitsgesellschaft geprägt. Eine ihrer Funktionen ist, Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu fixieren. Meist sind diejenigen gesellschaftlich besser gestellt, die entsprechend der Normen leben. Diese Gruppen setzen entsprechend viel daran, Unterschiede weiterhin bestehen zu lassen und die Normen nach ihren Vorstellungen zu gestalten, sodass sie weiterhin von Vorteilen ihrer Position profitieren können. Stigmatisierung und Diskriminierung können in dem Zusammenhang als Instrumente gesehen werden, Unterschiede fortbestehen zu lassen und damit Machtpositionen zu erhalten.