Was sind die Ursachen?

Selbstaufwertung und Homophobie

„Selbst-Aufwertung“ als Funktion und Ursache von Stigmatisierung meint, dass Individuen als auch Gruppen über die Abwertung anderer Menschen und Gruppen ihren eigenen Selbstwert zu steigern versuchen. Auf der Ebene der Einzelpersonen wird der positive Effekt der Selbstaufwertung in einem gesteigerten Selbstbewusstsein gesehen. Bei Gruppen soll über diese Aufwertung auch ein gesteigertes Zusammengehörigkeitsgefühl erreicht werden. Gruppen erreichen damit die Festigung der Gruppenidentität, die über ein verstärktes Engagement für die Gruppenziele zu mehr gesellschaftlichem Einfluss und Vorteilen für die Gruppenmitglieder führt. Die Abwertung selbst erfolgt oft darüber, dass schwächere Gruppen als ungleichwertig eingestuft und benannt werden – vielfach anhand von kulturellen oder sozialen Kriterien.

Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen HIV-bezogener Stigmatisierung und dem, was verschiedentlich „sexuelle Vorurteile“, „sexuelle Stigmatisierung“, „Homophobie“ oder „Homonegativität“ genannt wird. Vorurteile gegenüber schwulen Männern gründen unter anderem darin, dass Homosexualität Tabuthemen aufnimmt, wie Sexualität, und Normen hinterfragt, wie die der Geschlechterrollen. Schwule Männer erfuhren bereits lange vor dem Zeitpunkt Stigmatisierung, als die ersten Fälle von HIV auftraten. Diese bereits stigmatisierte Gruppe wurde dann Anfang der 80er Jahre mit der Ausbreitung von HIV/ Aids in Verbindung gebracht und für diese verantwortlich gemacht. HIV-bezogene Stigmatisierung entwickelte sich in direktem Bezug zur bereits bestehenden Stigmatisierung von homosexuellen Menschen – nicht zu vergessen aber auch z.B. Drogengebrauchenden.